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- Provinz Posen
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- Geographisch-statistisch-culturhistorische
Beschreibung.
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- Die Provinz Posen besteht aus Theilen,
welche ehemals das Königsreich Polen bildeten. Durch die Theilungen Polens in
den Jahren 1772, 1793 und 1815 wurde die heutige Provinz Posen dem Königreich
Preussen einverleibt. Den nördlichen Theil, auf beiden Seiten der Netze, mit
Einschluss der Kreise Deutsch-Krone und Flatow in Westpreussen, und das Gebiet
von Brzesz an der Weichsel, bildete das alte Kujawien; dieses hiess nach der
Preussischen Besitznahme 1772 der Netze-Destrict. Von diesem wurde jedoch
Brzesz ausgeschlossen und kam an Russland. Der übrige Teil der Provinz gehörte
zu Grosspolen und fiel bei der zweiten Theilung 1793 an Preussen. In den
Jahren 1807 bis 1813 bildete die Provinz vorübergehend einen Bestandtheil des
Grossherzogthums Warschau, bis durch die Wiener Congressacte 1815 die im
Tilsiter Frieden 1807 abgetretenen Theile des vormaligen Südpreussen an
Preussen zurückgegeben wurden. Diese bildeten dann neben dem Netze-District
die jetzige Provinz oder das Grossherzogthum Posen.
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- Zur Zeit der Preussischen Besitznahme
bedeckten Wälder und Sümpfe weite Landstriche, die jetzt zu fruchtbaren
Aeckern und Wiesen umgeschaffen sind. Unter der Regierung Friedrich des
Grossen wurde von die Netze und Brahe schiffbar gemacht und der
Bromberger Kanal zur Verbindung beider angelegt. Dieser Kanal bildet eine
Wasserstrasse von der Oder zur Weichsel. Ebenso wurde die Brüche im
Netzethale ausgetrocknet und dort die Ansiedlung deutscher Bewohner bewirkt.
Bedeutende Meliorationen, besonders des Netze- und Obra-Bruches, sowie der
Niederungen des Gopla-See's, der Bachorze und Montwey haben unausgesetzt bis
zur neuesten Zeit stattgefunden.
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- Der Flächeninhalt der Provinz beträgt
536,51 Qm. mit 1,523,729 Einw. (1861), welche in 142 Städten und 5200
Ortschaften des platten Landes wohnen. Staatlich wird die Provinz in die
Regierungsbezirke Posen und Bromberg eingetheilt. Jener enthält 17, dieser 9
landräthliche Kreise. Die grössere Hälfte der Bewohner sind Polen, das
deutsche Element ist im Reg.-Bez. Bromberg und Posen, im ersterem in den 4 nördlichen
Kreisen Bromberg, Wirsitz, Czodziesen und Czarnikau, im letzterem in den 4
westlichen Grenzkreisen Birnbaum, Meseritz, Bomst und Fraustadt überwiegend;
ebenso im Allgemeinen in den Städten.
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- Die Landwirthschaft mit ihren Zweigen ist in
den meisten Gegenden die einzige und Haupt-Beschäftigung der Bewohner. Es
werden Pferde, kleines Rindvieh, Schweine und Schafe gezüchtet; Producte für
den Handel sind: Getreide, Oelfrüchte, Hirse, Flachs, Hanf, Obst, Hopfen,
auch etwas Wein und Tabak, namentlich Holz, welches auch als Schiffsbauholz
ausgeführt wird. Die Industrie ist noch nicht zu besonderer Entwicklung
gekommen, ihrem Aufbühen ist vor Allem die russische Grenzsperre hinderlich.
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- Die Provinz liegt zwischen 32°56 und 36°21
östlicher Länge und 51°?7 und 53°27 nördlicher Breite. Dieselbe grenzt im
Norden an die Provinzen Brandenburg und West-Preussen; im Süden an Schlesien
und Brandenburg; im Osten an das Königreich Polen und die Provinz
West-Preussen; im Westen an Brandenburg.
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- Im Allgemeinen ist das Land eben, von
wenigen Höhen unterbrochen, theilweis guter und fruchtbarer Boden, mit Brüchen
und vielen Seen. Besonders fruchtbar ist es an der oberen Netze in der
Kujawischen Ebene. Ausgedehnte Waldungen sind im Süden der Brahe und
Weichsel, an der Brandenburgischen Grenze, zwischen der Netze und Warthe,
sowie in der Gegend von Neu-Tomysl.
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- Die Hauptwasserader der Provinz ist die
Warthe, der bedeutendste Nebenfluss der Oder. Dieselbe entspringt in Polen, wo
sie bei Kolo schiffbar wird und unterhalb Peisern in's Preussische tritt, in
westlicher Richtung fliessend. Bei Schrimm nimmt sie eine nördliche Richtung
an, welche sie, Posen berührend, bis Obornik beibehält. Von da ab wendet sie
sich wieder westlich und verlässt unterhalb Schrimm die Provinz. Rechte
Nebenflüsse der Warthe sind: die Netze, die Wrzesnia, Glowna und Wolna; linke
Nebenflüsse: die Prosna, welche links den Olobok aufnimmt; die Lutinia, die
Moschinka, die Obra mit der Pachlitz und Doyka. Zuflüsse der Netze sind,
ausser dem schon erwähnten Olobok, auf dem linkn Ufer: die Gonsawka, rechts
die Rakitka und Lebsonka. Die Wechsel berührt die Nordostgrenze der Provinz
auf eine kurze Strecke und nimmt links die Brahe auf.
- Kanäle sind ausser dem genannten Bromberger,
der Nord-Süd-Mittel-Obra-Canal, der Moschiner-, Kostener- und Dzwina-Kanal,
alle zur Entwässerung des Obra-Bruches.
- Unter den zahlreichen Seen sind der Goplo-,
der Skorzenciner- und Powidzer-See die bedeutendsten.
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- Für die Communication ist durch zahlreiche
Chausseen gesorgt; auch an Eisenbahnen fehlt es nicht; theils projectirte,
theils im Bau begriffene werden zur Hebung der Industrie wesentlich beitragen.
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- Für die geistige Bildung der Bewohner ist
durch 1 Priester-Seminar, 6 Schullehrer-Seminare und 9 Gymnasien gesorgt.
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- Auszug aus:
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- Adressbuch des Grundbesitzes im
Grossherzogthum Posen von 1872
- Aus amtlichen Quellen zusammengestellt
- Im Verlage der Associations-Verlags-Buchhandlung
- F. Bürde & Co.
- Berlin, Elisabeth-Ufer 12
- August 1872